News | 21.05.2012 | 15:11 Uhr | 2. Mannschaft |
Turbine Potsdam II sichert sich im Herzschlagfinale die Meisterschaft
Von Nadine Bieneck
Meister der 2. Bundesliga Nord 2011/12 - das Team vom 1. FFC Turbine Potsdam II.
Foto: Jan Kuppert
Mit einem echten Kraftakt spurtete die Mannschaft des 1. FFC Turbine Potsdam II am 22. und letzten Spieltag der Saison auf der Ziellinie noch am zuvor punktgleichen Aufsteiger FSV Gütersloh 2009 vorbei und sicherte sich im Fernduell in einem Herzschlagfinale den Meistertitel der 2. Bundesliga Nord 2011/12. „Freude pur“, empfand Turbine-Trainer Thomas Kandler dann auch nach dem Abpfiff der Partie gegen den SV Werder Bremen, welche die Potsdamerinnen mit einem 4:1 (2:1)-Sieg für sich entschieden und damit die Heimspiel-Serie der Saison ohne eine einzige Niederlage abschlossen. Dass Turbines in der 2. Bundesliga Nord aufspielendes Ausbildungsteam sich tatsächlich erstmals in seiner Vereinsgeschichte tatsächlich noch den Meistertitel sicherte war vor dem Spiel alles andere als wahrscheinlich. Auf „vielleicht 10 Prozent“, bezifferte Kandler die Chance, das Unmögliche noch wahr zu machen. Punktgleich aber mit einer um fünf Zähler schlechteren Torbilanz mit dem bereits als Aufsteiger feststehenden FSV Gütersloh 2009 rangierten die Potsdamerinnen auf Tabellenplatz 2. Während die Gütersloherinnen beim auf einem Abstiegsplatz rangierenden FFC Oldesloe antraten, empfingen die „Turbinen“ zum letzten Heimspiel der Saison den SV Werder Bremen. Unglaublich „heiß darauf, das Ding zu holen“, so Kapitänin Josephine Schlanke, sei die Mannschaft gewesen, und legte einen Traumstart nach Maß hin. Denn nach nicht einmal zwei gespielten Minuten zappelte das Leder bereits das erste Mal im Netz. Nach einem schönen Zuspiel von Erica Dillmann startete Sandra Starke 20 Meter vor dem Tor durch und schob den Ball aus zwölf Metern ins rechte Eck zur Führung ein (2.). Kurz darauf hatte Dillmann selbst die Chance, die Torausbeute zu erhöhen und die so dringend benötigten Treffer zur Aufholjagd zu erzielen, doch sie vergab acht Meter vor dem Tor über die Querlatte (5.).
So schlug das Drehbuch dieses denkwürdigen Sonntagnachmittags in Folge erst mal einen anderen Schlenker ein. Denn die Gäste vom SV Werder Bremen, stets bemüht, mitzuspielen und sich ebenfalls mit einem Dreier aus der Saison zu verabschieden, glichen wenig später durch Maren Wallenhorst aus. Die war einem langen Pass in die Spitze nachgegangen, hatte sich gegen die ungeordnete Defensive der Platzherrinnen gut durchgesetzt und den Ball schließlich aus halbrechter Position und 14 Metern ins linke Eck zum 1:1 eingeschoben (11.). „Nach dem frühen Führungstor und damit einem optimalen Start haben wir dann nicht konsequent genug hinten geklärt“, ärgerte sich Kandler. Wenig später sah die Fußballwelt der „Turbinen“ jedoch schon wieder freundlicher aus, als Dillmann einen langen Ball in die Spitze von Schlanke aufnahm, über rechts in den Strafraum zog und aus knapp 16 Metern das Leder über die heraus geeilte Werderaner Keeperin zum 2:1 in die Maschen lupfte (18.). Fast im Gegenzug bot sich den Gästen die Riesenmöglichkeit auf den erneuten schnellen Ausgleich, doch Katharina Hamann setzte den Ball aus sechs Metern knapp neben das Gehäuse (20.), „da haben wir Riesenglück gehabt, unsere Zuordnung hat überhaupt nicht gestimmt“, grummelte Kandler. Dillmann vergab nach einer halben Stunde Spielzeit noch eine gute Möglichkeit zum 3:1, als sie das Leder aus wenigen Metern Torentfernung über die Querlatte desselbigen setzte (30.), die restlichen Spielminuten der ersten Halbzeit verliefen dann ereignislos. „Wir hatten Chancenvorteile, doch unsere Abwehr strahlte nicht die gewohnte Sicherheit wie sonst aus. Die Führung zu diesem Zeitpunkt war in Ordnung, aber nicht so sicher wie in anderen Spielen der Saison“, so das Pausenfazit von Kandler.
In der zweiten Halbzeit legten die Potsdamerinnen nun noch einmal eine Schippe drauf und erarbeiteten sich ein deutliches Chancenplus. So setzte Lidija Kulis kurz nach dem Seitenwechsel das Leder nur Zentimeter links neben das Gehäuse (48.), ehe Torschützin Wallenhorst Turbine-Keeperin Anna Sarholz prüfte, die die Eins-zu-Eins-Situation jedoch für sich entschied (54.). Anschließend dominierten die Gastgeberinnen wieder das Spielgeschehen – und vergaben beste Möglichkeiten. So konnten die Gäste per Pressschlag einen Schuss von Sandra Starke aus Nahdistanz klären (63.), den Nachschuss von Kulis parierte Keeperin Jennifer Martens stark. Wenig später war sie jedoch machtlos, als Rieka Windisch einen Nachschuss nach Eckball von Sandra Starke aus fünf Metern Torentfernung über die Linie zum 3:1 drückte (64.). „Da wusste ich, dass wir das Ding gewinnen“, berichtete Kandler später. Und in der Tat belohnte sich wenige Minuten vor Abpfiff auch noch die unermüdlich ackernde Lidija Kulis für ihren Einsatz mit dem Treffer zum 4:1 (86.), nachdem Vanessa Müller einen langen Ball in die Spitze gespielt hatte, Werders Abwehr nicht zwingend genug klärte und Kulis schließlich zum Endstand einschob. Ein Kopfball von Sandra Starke an die Querlatte (65.), ein gut platzierter Freistoß von Josephine Schlanke aus 20 Metern, den Torhüterin Martens stark parierte (71.) hatten zuvor bereits Torgefahr versprüht, während auf der Gegenseite Nahrin Uyar zwischenzeitlich noch einmal Sarholz in einer Eins-zu-Eins-Situation geprüfte hatte (81.), jedoch an der Potsdamer Keeperin nicht vorbeikam. So blieb es am Ende beim 4:1 aus Turbine-Sicht und das bange Fragen der Spielerinnen, mit welchem Ergebnis sich zeitgleich der FFC Oldesloe und der FSV Gütersloh getrennt hatten.
Zur Freude aller Potsdamerinnen hatten sich die Norddeutschen mit allen verfügbaren Kräften gegen den drohenden Abstieg gestemmt und ein 1:1-Unentschieden gegen den bis dato Tabellenersten erreicht, welches die Oldesloerinnen in die Relegation spülte. Der FSV hingegen rutschte durch den Punktverlust zurück auf den zweiten Tabellenrang, die Potsdamerinnen sicherten sich erstmals in der Geschichte des Vereins den Meistertitel der 2. Bundesliga. „Wenn man den gesamten Saisonverlauf nimmt, stehen wir am Ende schon zurecht da oben“, bilanzierte Thomas Kandler, „wir standen 15 Spieltage an der Tabellenspitze, sind in den vergangenen Jahren zwei Mal Zweiter und ein Mal Dritter geworden, wir waren jetzt einfach mal dran. Ich freue mich riesig für die Mannschaft, die sich diesen Erfolg wirklich verdient und hart erarbeitet hat. Es ist ja kein Selbstläufer, dass man da oben steht, sondern das Ergebnis harter Arbeit. Ich denke, in dieser Saison haben wir uns den Titel auch spielerisch verdient, wir haben eine gute Saison absolviert.“ Gerade weil es ein Herzschlagfinish war, „war die Freude anschließend umso größer. Vor allem war es ehrliche Freude. Wir gratulieren Gütersloh zum Aufstieg, das hat sich die Mannschaft verdient, sie hat eine starke Saison gespielt“, so Kandler. Als Zweitvertretung des bereits in der 1. Bundesliga aufspielenden Teams des 1. FFC Turbine Potsdam ist das Potsdamer Reserve-Team nicht aufstiegsberechtigt, weshalb der Tabellenzweite als Aufsteiger ins Oberhaus des deutschen Frauenfußballs nachrückt.
„Für den Erfolg gab es in dieser Saison drei ganz wesentliche Faktoren: Zum Einen unsere Defensivarbeit, wobei insbesondere Mannschaftskapitänin Josephine Schlanke zu nennen ist. Sie hat die Abwehr die gesamte Saison hinweg zusammengehalten, war stets ein Musterbeispiel an Einsatzbereitschaft und Verantwortung und zeigt sich als absolute Führungsspielerin. Sie hat als einzige Spielerin alle 22 Spiele über die gesamte Spielzeit hinweg bestritten und eine hervorragende Saison absolviert. Zum Anderen war unsere Offensivleistung ausschlaggebend für das Endresultat, unsere drei Stürmerinnen Lidija Kulis (22 Tore), Sandra Starke (14) und Erica Dillmann (13.) haben ebenfalls eine gute Saison absolviert“, so Kandler. „Insgesamt gesehen hat uns natürlich aber vor allem die mannschaftliche Geschlossenheit zum Meistertitel geführt. Wir haben über die gesamte Saison hinweg gut als Mannschaft funktioniert, sonst wäre dieser Verlauf so auch gar nicht möglich gewesen“.
Wenngleich Spielleiterin Margit Stoppa im Anschluss an die Partie gegen den SV Werder Bremen in Potsdam die Ehrung für den Meistertitel vornahm, müssen sich die Potsdamerinnen bis zur Übergabe der Trophäe noch einige Tage gedulden. Das Original hatte der DFB nach Oldesloe zum in der Tabelle vor dem Spieltag besser positionierten FSV Gütersloh geschickt.
Weitere Informationen Spielstenogramm 2. Bundesliga Nord, 22. Spieltag 20. Mai 2012, 14:00 Uhr
1. FFC Turbine Potsdam II - SV Werder Bremen
4:1 (2:1) 1. FFC Turbine Potsdam II: Sarholz - Schlanke, Seifert, Meister - Lindner (56. Löwenberg), Bast (69. V. Müller), Hübner, Windisch - Kulis, Starke, Dillmann (83. S. Andonova) SV Werder Bremen: Martens - Moelter (20. Uyar), Holsten (69. William), Scholz, Notthoff - Buller, M. Schröder - König
Hamann (83. Jobe), Golebiewski, Wallenhorst Die Tore: 1:0 Starke (2.), 1:1 Wallenhorst (10.), 2:1 Dillmann (18.), 3:1 Windisch (63.), 4:1 Kulis (85.) Gelbe Karten: Gelb-Rote Karten: - Rote Karten: - Schiedsrichterin: Dittmann (Stadthagen) Zuschauer: 66 Stadion: Sportforum Waldstadt, Potsdam Besondere Vorkommnisse: -
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