Die "Turbinen" begraben Torschützin Stefanie Draws beim Torjubel unter sich.
Foto: Jan Kuppert
Was für ein Sonntag für Turbine Potsdam: Am Vormittag patzte die Konkurrenz aus Duisburg (2:2 gegen Aufsteiger Freiburg) und Frankfurt (0:1 gegen den Hamburger SV), am Nachmittag besiegte der deutsche Meister den Tabellenvierten VfL Wolfsburg mit 1:0 (1:0) und baute die Spitzenposition aus. Stefanie Draws brachte vor 1740 Zuschauern den Sieg durch ein Traumtor in der 10. Minute unter Dach und Fach.
In der ersten Halbzeit waren die Gastgeberinnen nicht zu halten. Angreiferin Genoveva Anonma traf nach einem Draws-Freistoß mit einem Kopfball die Latte (6.). Vier Minuten später scheiterte Sturm-Kollegin Yuki Nagasato nach Traumflanke von Viola Odebrecht per Direktschuss an VfL-Torhüterin Alisa Vetterlein. Schließlich machte es Draws besser: Im Anschluss an eine Ecke Anonmas zirkelte sie den Ball aus zwölf Metern mit dem linken Fuß ins linke obere Eck.
Die Gäste, bei denen mit Nadine Keßler, Conny Pohlers und Josephine Henning drei Ex-Potsdamerinnen in der Startelf standen, enttäuschten. „In den ersten 30 Minuten waren wir nicht zu sehen, spielte meine Mannschaft definitiv unter Normalform“, ärgerte sich Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann. Erst Keßler sorgte mit starkem Freistoß aus spitzem Winkel für ein Wecksignal, Turbine-Torfrau Alyssa Naeher war jedoch auf dem Posten (41.). „In der ersten Halbzeit waren wir klar überlegen, so wie der FC Bayern gegen Hertha. Nur haben wir die Tore nicht gemacht“, flachste Turbine-Trainer Bernd Schröder.
Die Nachlässigkeit bei der Chancenverwertung hätte sich rächen können, denn nach dem Wechsel wurden die Gäste mutiger. Die besseren Gelegenheiten besaß indes weiter Turbine. Bei einem Kopfball von Yuki Nagasato rettete Rebecca Smith auf der Linie (53.). Babett Peter traf mit einem Kopfball die Latte (75.). Schließlich scheiterte Nagasato an Vetterlein (85.).
Für Stefanie Draws wurde ein Fußball-Märchen wahr. Einst als großes Talent gepriesen, musste die von Verletzungen gebeutelte Rostockerin ab Sommer 2010 mit der Reservistenrolle vorlieb nehmen. Nach 55 Bundesligaeinsätzen kam sie nur noch in der zweiten Mannschaft zum Einsatz. Im Februar erlebte die 22-Jährige beim 1:1 gegen Leverkusen ihr Erstliga-Comeback. Nun sorgte „Ulla“ gegen Wolfsburg für den Siegtreffer – es war erst ihr drittes Bundesligator. „An das letzte kann ich mich gar nicht mehr erinnern“, so ihr Kommentar.