Beim American Football nennt man eine Saison, in der man alles, was es zu gewinnen gibt, gewinnt, eine „perfect Season“. Nichts anderes als das ist der U17 des 1. FFC Turbine Potsdam in dieser Saison 2010/2011 gelungen. DFB-Länderpokal, NOFV Länderpokal, NOFV Meisterschaft, Schul-Weltmeisterschaften, Hallenmasters in Gütersloh und nun auch noch Deutscher Meister der B-Juniorinnen - mehr geht nicht.
Wir haben ein unglaubliches Jahr gehabt, und alles gewonnen, was man nur gewinnen konnte.Sven Weigang, Trainer U17-Juniorinnen Turbine Potsdam
Vor circa 800 Zuschauern traf die U17 im Floschenstadion in Sindelfingen auf den bis dahin in 33 Spielen ungeschlagenen Gastgeber vom VFL Sindelfingen, der immerhin vier DFB-Nationalspieler in seine Reihen hat.
Turbine begann dieses Finale in folgender Aufstellung. Im Tor Josephine Wiedner, Vanessa Göldner, Jennifer Lüdicke, Liesa Seifert und Laura Schulze in der Abwehr, Wibke Meister, Erica Dillmann, Anna Sophie Fliege und Vanessa Müller im Mittelfeld sowie Venus El-Kassem und Lyn Meyer im Sturm. Auf der Bank zitterten Maike Lotze, Rieka Windisch, Maja Oesker, Laura Linder, Lara Junge, Felicia Matthes und Joana Beckers mit ihren Kolleginnen.
Aber Turbine wurde eiskalt erwischt, bereits nach 4 Minuten zog die immer wieder brandgefährliche Jana Spengler in Richtung Turbine Tor und ließ mit einem platzierten Schuss ins rechte Eck Josephine Wiedner keine Abwehrchance. Sindelfingen präsentierte sich in der Anfangsphase extrem spielfreudig und stellte die über den gesamten Saisonverlauf immer sehr sicher wirkende Viererkette der Potsdamerinnen immer wieder vor Probleme. Nach einer Viertelstunde kam Turbine dann besser ins Spiel. Besonders die in den letzten Wochen nicht immer überzeugende Potsdamer Offensivabteilung lief zu Hochform auf, sprühte plötzlich vor Spielwitz und kombinierte immer häufiger zielstrebig und kreativ vor das Sindelfinger Tor.
In der 18. Minute war es dann soweit, sich zu belohnen. Einen langen Ball von Wibke Meister der Linie entlang erkämpfte sich die überragende Lyn Meyer, passte klug quer durch den 16er auf die einlaufende Erica Dillmann, die direkt abzog und den Ball im langen Eck versenkte. Durch den Ausgleich stabilisierte sich das Spiel des Deutschen Rekordmeisters zusehends. Turbine wirkte nun abgeklärter und reifer, hatte deutlich mehr Ballbesitz und spielte sich immer wieder schön nach vorne. Besonders Vanessa Müller übernahm im zentralen Mittelfeld immer mehr Verantwortung und bekam das Spiel langsam aber sicher in den Griff.
In der 34. Minute machte sich diese Überlegenheit dann auch in Zahlen deutlich. Nach einer Traumkombination über die rechte Seite über acht direkte Stationen kam der Ball schließlich zu Lyn Meyer, die ihre Gegenspielerin einfach stehen ließ und überlegt ins lange Eck einschoss. Ein Traumtor! So ging es auch in die Halbzeit, aus der beide Mannschaften unverändert kamen.
Nach dem Seitenwechsel übernahm erst einmal der starke Gastgeber aus Sindelfingen das Kommando. Einen Freistoss aus halbrechter Position klärte die nur 1,52 m große Laura Schulte per Kopf und entschärfte diese recht brenzlige Situation. Turbine war nun Chef im Ring, hatte auch spielerisch klare Vorteile, obwohl Sindelfingen immer wieder gefährlich nah vor dem Turbine-Tor auftauchte. Allerdings kamen die Potsdamerinnen zahlenmäßig zu mehr Gelegenheiten, konnten diese aber zunächst nicht nutzen. Erst in der 63. Minute gab es wieder Grund zum Jubel. Erica Dillmann war hellwach und eroberte sich den Ball nach einem Annahmefehler einer Sindelfingerin. Sofort zog sie Richtung Tor und legte im goldrichtigen Moment links raus, wo Venus El-Kassem keine Mühe mehr hatte, den Ball im leeren Tor einzuschieben.
Wer nun dachte, die Entscheidung sei gefallen, täuschte sich gewaltig. Direkt nach Wiederanpfiff spielte Nationalspielerin Fabienne Dongus einen Traumpass auf Jana Spengler. Diese gewann das Laufduell mit Liesa Seifert und schob den Ball eiskalt an Josi Wiedner vor bei ins Tor. Alles war nun wieder offen. Liesa Seifert verletzte sich bei diesem Sprintduell und musste das Spielfeld verlassen. Für sie kam Rieka Windisch, ersetzte Anna Sophie Fliege im zentralen Mittelfeld, die auf den Platz von Liesa Seifert in der Innenverteidigung rückte. Sindelfingen tat der Anschlusstreffer sichtlich gut, die Gastgeberinnen kamen in der direkten Folge zu zwei sehr guten Torgelegenheiten. Ein direkter Freistoss klatschte an die Latte und nur zwei Minuten später wurde ein Treffer von Fabienne Dongus wegen Abseitsstellung nicht gegeben. Turbine war nun die glücklichere Mannschaft, kam aber nach diesen Schreckminuten wieder besser ins Spiel und übernahm wieder die Kontrolle.
Zwar versuchte der VfL noch einmal alles, scheiterte nun aber an der wieder gewohnt sicher stehenden Viererkette um die nun sehr stark spielende Jennifer Lüdicke. So war es am Ende dann doch wieder Turbine, die die Siegerschale überreicht bekam, welche von Kapitänin Felicia Matthes in den strahlenden Sommerhimmel gereckt wurde.
„Wir haben ein unglaubliches Jahr gehabt, und alles gewonnen, was man nur gewinnen konnte. Ich bin unheimlich stolz auf die Mädels und bin schon etwas traurig, einen Großteil dieser Mannschaft nun in den Frauenbereich zu entlassen. Immerhin verlassen 13 Spielerinnen dieses Team, von denen viele in der ersten und zweiten Bundesliga ihren Weg machen werden. Ich wünsche den Mädels auch auf diesem Weg alles Gute, ob nun bei Turbine oder in ihren neuen Vereinen. Aber auch ein Riesenkompliment an den VfL Sindelfingen, der bewiesen hat, dieses Finale zu Recht erreicht zu haben. Wir haben ein Finale auf hohem Niveau gesehen, das uns zuversichtlich für die Zukunft des Mädchen- und Frauenfußballs stimmt. Ich möchte abschließend unseren Nationalspielerinnen Liesa Seifert, Vanessa Müller, Wibke Meister, Venus El-Kassem und Anna Sophie Fliege noch viel Glück für die anstehenden Aufgaben im Trikot des Deutschen Fußball Bundes wünschen“, erklärte ein glücklicher aber gefasster Trainer Sven Weigang bei der Pressekonferenz nach dem Spiel.