Die Fußballerinnen des 1. FFC Turbine Potsdam stehen mit dem Gewinn der Champions League und der deutschen Meisterschaft in der Pflicht. Gleich dreimal täglich bittet Bernd Schröder in der Saisonvorbereitung seine Schützlinge zu den Übungseinheiten. Auch an seinem gestrigen 68. Geburtstag machte der Cheftrainer keine Ausnahme. Dazu gesellte sich am Donnerstag noch ein gemeinsames Mittagessen der Mannschaft mit Ministerpräsident Matthias Platzeck.
Wir müssen auch in andere Sportbereiche schauen.Bernd Schröder, Trainer Turbine Potsdam
Der Vormittag begann in der Leichtathletikhalle des Luftschiffhafens mit einer besonderen Einheit. Nach dem Turbine-Motto: „Wir müssen auch in andere Sportbereiche schauen“, baute sich ein großer Mann mit einer bescheidenen Art vor den Kickerinnen auf. Ex-Handballer Klaus-Dieter Petersen übernahm das Aufwärmprogramm und ließ aufhorchen: „Wir rudern mit den Armen, laufen über Kreuz und singen dazu ein Lied.“ Nach dem Abspulen von ähnlichen Gleichgewichtsübungen, die der Konzentration und Koordination dienen, stellte Schröder den Gast vor: Der 41-jährige Petersen liegt mit 340 Länderspielen in der Liste der Rekordnationalspieler nach Frank-Michael Wahl (344) auf Rang zwei, galt einst als weltbester Abwehrspieler und ist jetzt Landestrainer in Niedersachsen.
Petersen hatte den Krafttrainer Mark Anthony Sandmann aus Hannover mitgebracht. Seit zwei Jahren „wagen“ sich die Turbine-Frauen an die Hanteln, jetzt erfolgte eine spezielle Schulung, die den Becken- und Hüftbereich stabilisiert. Auch nach dem Studium des Buches „Leistungsreserve Hanteltraing“, das Schröder unlängst von der Uni Augsburg geschenkt bekam, weiß er: „Da werden Muskelgruppen trainiert, die den Körper bei harten Zweikämpfen unempfindlicher

Da entlang - Klaus-Dieter Petersen wies den "Turbinen" den Weg.
Foto: Jan Kuppert
machen.“
Klaglos nahmen die Fußballerinnen unter Anleitung von Petersen und Sandmann einen Kraftzirkel hin. Nationalspielerin Anja Mittag meinte: „Ich bin kein Krafttyp und habe mich bisher beim Training mit Gewichten gequält. Doch solche speziellen Übungen können auch den Spaß fördern.“ Bisher ließen sich die Fußballer beiderlei Geschlechts von Trainingsplänen des Deutschen Fußball-Bundes ins Bockshorn jagen. Da werden Übungen an Kraftmaschinen im Studio empfohlen. Doch dabei kommt nur die einseitige Kräftigung von Muskelgruppen heraus. Ein spezielles Krafttraining steht jetzt bei Turbine mindestens zweimal in der Woche auf dem Programm.
Bei Turbine werden bereits seit mehreren Jahren Innovationselemente anderer Sportarten aufgenommen (Kanu, Leichtathletik, Bobfahren). Auch bei den Frauen wird längst athletischer Fußball gespielt. „Bisher hatten wir im Ausdauerbereich auch nach 65 Minuten immer noch etwas in der Schatulle“, sagt Schröder. Doch die Gegnerschaft holt auf. Um sich zu wappnen, wollen die Turbinen auch die Erfahrungen in anderen Sportarten ausschöpfen. Schröder weiß: „Die Konkurrenz wird zulegen. Denn der europäische Klubfußball wurde durch die Champions League geadelt.“