Punkt 9:30 Uhr ging es für die „Turbinen“ am heutigen Vormittag auf, Richtung Leichtathletikhalle. Zuvor hatte Potsdams Cheftrainer Bernd Schröder das Team zu einer ersten Ansprache um sich versammelt und seine Spielerinnen nicht nur auf die anstehende Vorbereitungsphase, sondern auch die Saison 2010/11 eingestimmt.
Alle müssen mitziehen, nicht nur bis an ihre Grenzen sondern darüber hinaus gehen.Bernd Schröder, Trainer Turbine Potsdam
„Die Erwartungen an uns sind hoch“, erklärte der 68-jährige Übungsleiter seinen braungebrannten Urlaubsheimkehrerinnen. „Vor uns liegen nun vier harte Wochen, in denen wir engagiert und konzentriert arbeiten müssen“. Die aufgrund der WM-Vorbereitung 2011 bereits im März endende Saison werde allen Beteiligten vieles abverlangen, einstellen müssen sich auch die „Turbinen“ auf zahlreiche englische Wochen.
Um diese möglichst unfallfrei zu überstehen und zudem das Unternehmen Titelverteidigung erfolgreich umsetzen zu können, wird das Trainerteam in den kommenden Wochen die Grundlagen legen. „Dabei gucken wir auch über den Tellerrand hinaus und bedienen uns auch Elemente anderer Sportarten“, berichtet Schröder. Zur Einstimmung gab es in der Auftakteinheit verschiedene Lauf- und Kraftübungen, bei denen Bernd Schröder und Co-Trainer Dirk Heinrichs Unterstützung von Philip J. Müller, Präsident der Union Schweizer Fussball-Trainer (USFT), Dr. René Kittel, Mitarbeiter der Universität Potsdam sowie Dr. Karsten Görsdorf, Gründungsmitglied des Instituts für Spielanalyse, erhielten.
„Wir müssen die Zeit bis zum ersten Punktspiel am 15. August, welches wir zuhause gegen den Hamburger SV bestreiten werden, optimal nutzen. Alle müssen mitziehen, nicht nur bis an ihre Grenzen sondern darüber hinaus gehen“, setzt Bernd Schröder die Erwartungen an seine Spielerinnen hoch an.
Und das nicht ohne Grund, als Saisonziel hat der Coach die Verteidigung der 2009 gewonnen Titel ausgeschrieben. „Mit dieser Mannschaft musst du als Ziel die Titelverteidigung ausgeben, anderenfalls machst du dich doch unglaubwürdig“, erklärt Schröder. Zugleich weiß der erfahrene Trainer, dass ihn mit der Mitte August beginnenden Spielzeit 2010/11 ein Ritt auf der Rasierklinge erwartet. „Natürlich gibt es etliche starke Mannschaften in der Liga, die uns den Titel streitig machen wollen. Die Konkurrenz hat sich verstärkt. Niemand wird uns etwas schenken, ganz im Gegenteil – jeder Gegner wird ganz besonders motiviert sein, uns als amtierenden Meister und Champions League Sieger zum Strauc

"Vor uns liegt keine leichte Zeit". Trainer Bernd Schröder stimmt seine Mannschaft auf die anstehenden Wochen und Monate ein.
Foto: Jan Kuppert
heln zu bringen. Zudem fehlen uns aufgrund der U20-WM gegenwärtig sechs unserer Spielerinnen, eine optimale Vorbereitung auf die Saison ist so gar nicht möglich. Hinzu kommt der eng gedrängte Terminplan aufgrund des frühen Saisonendes, da liegen zahlreiche sehr intensive und kräftezehrende Wochen von uns“, zählt Schröder auf.
Nichtsdestotrotz sieht er seine Mannschaft gut aufgestellt, „wichtig ist natürlich, dass wir erfolgreich in die Saison starten“. Mit den ersten Punktespielen – am 15. August zuhause gegen den Hamburger SV, eine Woche später, am 22. August, auswärts gegen den FC Bayern München sowie am 29. August vor Heimkulisse gegen den 1. FFC Frankfurt, stehen den Potsdamerinnen auch gleich die ersten Wahrsager in komprimierter Form bevor.
Vorher heißt es für die Champions League Meisterinnen jedoch erst einmal, drei Mal täglich schwitzen und unter anderem zahlreiche Laufkilometer zu absolvieren. Bei Anja Mittag war die Freude am Tag des Trainingsauftakts trotzdem unübersehbar: „Cool“, meint sie, „dass es
Cool, dass es endlich wieder losgeht.Anja Mittag, Nationalstürmerin Turbine Potsdam
endlich wieder losgeht. Es ist schön, die anderen Mädels alle endlich wiederzusehen, es liegt ja doch eine lange Sommerpause hinter uns, da hat man sich viel zu erzählen“. Für die Nationalspielerin ist es seit vielen Jahren die erste Saisonvorbereitung, die sie komplett mit ihrer Vereinsmannschaft durchzieht. „In den vergangenen Jahren war ich mit der Nationalmannschaft in dieser Phase der Saison immer unterwegs. Mir war schon etwas mulmig, wenn ich darüber nachdenke, dass unser Trainer, Herr Schröder, ja für seine intensive Saisonvorbereitung bekannt ist. Nicht nur aus diesem Grund habe ich in den vergangenen Wochen schon täglich individuell trainiert. Jetzt bin ich voller positiver Anspannung und freue mich auf die nächsten Wochen zusammen mit den Mädels. Allerdings mal abwarten, wie das in zwei Wochen aussieht, die drei Einheiten täglich werden natürlich alles andere als ein Spaziergang“.
Auch Turbines Neuzugang Daniela Löwenberg hat die ersten Einheiten mit ihrem neuen Team mit einem guten Gefühl hinter sich gebracht: „Die Mannschaft hat mich sehr nett aufgenommen, ich habe mich sofort wohl gefühlt“, berichtet sie. Die ersten beiden Trainingseinheiten befand sie für „völlig ok“.
Um sich miteinander einzuspielen, hat Trainer Schröder bereits Ende dieser Woche das erste Testspiel für seine Mannschaft angesetzt. Am Samstag, den 24. Juli (16 Uhr), treten die „Turbinen“ auswärts gegen den ESV Lok Kirchmöser an. Nur vier Tage später, am 28. Juli (Mittwoch), reist das Team zum FSV Ueckermünde ehe am 31. Juli (Samstag) um 17 Uhr mit dem SV Groß Leuthen/Gröditsch der dritte Praxistest bevorsteht. Seinen Abschluss findet die Testspielserie in der Region am 1. August (Sonntag) um 15 Uhr gegen die SG Woltersdorf. Am 2. August macht sich der Potsdamer Tross auf den Weg nach Haus im Ennstal (Österreich). Dort verpasst das Trainerteam den „Turbinen“ – dann auch mit den U20-Auswahlspielerinnen – den letzten Feinschliff. Geplant ist vor Ort auch ein Freundschaftsspiel gegen eine regionale Auswahl, um die Popularität des Frauenfußballs in der Region zu befeuern.