Turbine-Torfrau Anna Felicitas Sarholz über Elfmeter, eine DFB-Meldung und die nächste Saison
Turbine-Torhüterin Anna Felicitas Sarholz nach dem Gewinn der UEFA Women's Champions League.
Foto: Jan Kuppert
Sie war die Heldin von Getafe, doch bei der U 20-WM im eigenen Land ist Torhüterin Anna Felicitas Sarholz vom Fußballverein 1. FFC Turbine Potsdam nicht dabei. Mit der 18-Jährigen, die ihren Vertrag in Potsdam bis 2013 verlängert hat, sprach MAZ-Redakteur Jens Trommer.
MAZ: Die Sängerin Lena, die so jung ist wie Sie, hat nach ihrem Sieg beim Eurovision Song Contest gesagt: „Wow, verdammte Axt, das war geil“. Was ging Ihnen denn durch den Kopf, als Sie im Champions-League-Finale in Getafe den entscheidenden Elfmeter pariert hatten?
Anna Felicitas Sarholz: Mein erster Gedanke war: Hoffentlich liegt ihr nicht alle auf mir drauf.
Und was sagen Sie heute?
Sarholz: Keine Ahnung. Das Ganze ist noch immer so unrealistisch. Wenn ich die Szenen im Fernsehen sehe, bekomme ich nach wie vor Gänsehaut. Ich wusste, du musst jetzt zwei Elfmeter halten, sonst haben wir verloren. Das schaffst du kein zweites Mal.
Wann muss sich der Torhüter für eine Ecke entscheiden, um eine reale Chance zu haben?
Sarholz: Vor dem Schuss. Wurde der Elfmeter gut geschossen und schlägt genau neben dem Pfosten ein, hat man aber auch da keine Chance.
Bei der Fußball-WM haben sich viele Schützen für die Tormitte entschieden.
Sarholz: Wenn man fünfmal stehen bleibt, hält man sicherlich auch einen.
Vor einem Jahr waren Sie noch die Nummer drei bei Turbine, jetzt liefern Sie sich mit Desirée Schumann einen Kampf um die Nummer eins. Wie gehen Sie beide damit um?
Sarholz: Der Zweikampf ist angenommen. Ich hoffe, dass uns dieses Duell weiter nach vorn bringt. Mir kommt diese Rivalität auf jeden Fall zugute.
Viele Fans hatten das Duell Sarholz – Schumann auch bei der U 20-WM in Deutschland erwartet. Doch nun sind Sie gar nicht dabei. Warum?
Sarholz: Das müssen Sie den Deutschen Fußball-Bund fragen.
In einer DFB-Pressemitteilung vom 22. Mai – zwei Tage nach dem Champions-League-Finale – heißt es, Sie hätten die U 19-EM abgesagt, weil „nach diesem Saisonhöhepunkt die Konzentration auf Fußball derzeit nicht möglich sei“, . . .
Sarholz: Diese Erklärung ist nicht korrekt. Es hätte heißen müssen: „aus privaten Gründen“. So hatte ich es auch Trainerin Maren Meinert erklärt.
Sie sind nach Hause abgereist und haben seither vom DFB nichts mehr gehört. Ist Ihre Auswahl-Karriere damit beendet?
Sarholz: Weiß ich nicht. Ich werde in der neuen Saison wieder angreifen. Dann sehen wir weiter.
Ihr Heimtrainer Bernd Schröder hat Verständnis für Ihre Situation gezeigt und Unterstützung seitens des Vereins zugesichert. Welche Rolle spielt der Coach für Ihre Karriere?
Sarholz: Eine relativ große. Man kann mit allen Problemen zu ihm kommen, er hat für alles ein offenes Ohr. Als er mich in die Bundesligamannschaft geholt hat, war das eine riesige Umstellung, vor allem im körperlichen Bereich. Er hat mich ständig gefordert, immer gesagt: „Hör auf rumzuheulen, mach’ weiter.“
Muss man Sie antreiben?
Sarholz: Eher nicht. Aber es gibt Phasen, in denen es nicht so läuft, du trotz intensiven Trainings nicht gespielt hast. Dann hat Schröder gesagt: „Warte ab, warte ab“. Das kann man in dem Augenblick zwar nicht mehr hören. Aber im Nachhinein hatte er recht.
Wie sehen Ihre sportlichen Ziele aus?
Sarholz: Ich möchte die Nummer eins bei Turbine werden, mich weiterentwickeln, Erfolg haben. Da gibt’s noch so viel: wieder die Meisterschaft holen, wieder bis ins Finale der Champions League kommen und vielleicht auch mal das DFB-Pokalfinale erreichen, ohne 7:0 zu verlieren.
Am kommenden Montag startet Turbine mit dem Training. Mitte August geht die neue Saison los, im März ist sie wegen der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland bereits wieder vorbei. Was glauben Sie, wird das funktionieren?
Sarholz: Ich weiß zwar nicht, wie wir es machen, aber es muss gehen. Wir werden sehr viele englische Wochen haben. Das wird hart und spannend. Eine große Wundertüte.
Was erwarten Sie von der neuen Saison?
Sarholz: Wir werden die Gejagten sein. Die, die zuletzt mit oben waren, werden den Titel wollen. Die anderen möchten uns ärgern.
Wen sehen Sie im Kampf um den Meistertitel als ärgste Konkurrenten?
Sarholz: Duisburg, Frankfurt, Wolfsburg. Leverkusen habe ich im Hinterkopf. Die haben eine sehr gute Mannschaft, die im oberen Drittel mitspielen kann.
Anna, Felix, Sara – jeder ruft sie anders. Was ist korrekt?
Sarholz: Alles: Die Fans sagen Felix, die Mannschaft nennt mich Sara und meine Familie ruft mich Anna. Nur Felicitas kann ich nicht leiden.