Potsdams Verteidigerin ebnet mit ihrem Tor gegen Bad Neuenahr den Weg zum Meistertitel
Bianca Schmidt (M.) hat soeben gegen den SC 07 Bad Neuenahr das entscheidende 1:0 erzielt.
Foto: Jan Kuppert
Die Gegner hätten gewarnt sein müssen, denn Abwehrspielerin Bianca Schmidt hatte ihr erstes Saisontor angekündigt. „Am Sonntag treffe ich endlich“, versprach die 20-Jährige am Donnerstagabend auf einem Sponsorentreffen in Ludwigsfelde. Am Sonntag machte die Nationalspielerin dann im Spiel gegen den SC Bad Neuenahr Nägel mit Köpfen. In der 68. Minute netzte die gebürtige Thüringerin mit der Stirn einen Eckball der Japanerin Yuki Nagasato zum viel umjubelten 1:0 ein.
„Das war befreiend und erlösend“, schilderte Bianca Schmidt später jenen Moment, der Turbine endgültig den Weg zum vierten Titelgewinn nach 2004, 2006 und 2009 ebnete. Denn bis dahin wollte es vor 2816 Zuschauern mit dem Toreschießen trotz zahlreicher Chancen einfach nicht klappen. Mal war die Latte des gegnerischen Tores im Weg, dann ein Fuß oder ein Knie. Schließlich hielt Gäste-Torhüterin Romina Holz, was zu halten war.
Die Liste der Chancen gegen einen völlig passiven Gegner, bei dem auch noch Nationalspielerin Celia Okoyino da Mbabi und Kapitän Lena Goeßling wegen Verletzung fehlten, würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Nur einige Beispiele: Ein Kopfball von Babett Peter saust am linken Pfosten vorbei (13.), Nadine Keßler trifft per Kopfball den linken Dreiangel (32.). Drei Minuten später verzieht Anja Mittag in aussichtsreicher Position, die Ex-Potsdamerin Peggy Kuznik klärt vor der einschussbereiten Lira Bajramaj. Nach dem Seitenwechsel scheiterte Mittag freistehend an Torfrau Holz, Keßler jagt den Abpraller in die Wolken (53.). Schließlich lässt Holz einen Schuss von Jennifer Zietz abklatschen, Mittag hämmert ihn aus fünf Metern volley an die Latte (85.).
„Das war hier harte Arbeit“, stöhnte Jennifer Zietz. „Wir wollen den Frauenfußball nach vorn bringen, doch der Gegner stellt sich nur hinten rein. Wer will das sehen?“, ärgerte sich die 26-Jährige trotz ihres vierten Titelgewinns mit Turbine über den Gegner.
„Wir haben es spannend gemacht. Alle haben den Titel erwartet, das hat die Mannschaft gehemmt“, sagte Ministerpräsident und Turbine-Fan Matthias Platzeck. „Aber egal. Wer hätte gedacht, dass die Potsdamerinnen so gut durch die Saison kommen?“
Selbst Trainer Bernd Schröder muss da zu Saisonbeginn so seine Zweifel gehabt haben. „Viele haben gesagt, das wird nichts mit den Neuen, die Bajramaj bleibt keine fünf Wochen. Doch ich muss den Hut vor meiner Mannschaft ziehen, sie war die gesamte Saison das überragende Team.“
Lira Bajramaj, die im Sommer vom FCR Duisburg nach Potsdam gekommen war, ließ nach ihrem ersten Titelgewinn die Meisterschale immer wieder kreisen. „Ich bin glücklich und stolz, in so einer Mannschaft zu spielen. Der Wechsel hat sich auf jeden Fall gelohnt und mich weitergebracht“, sagte die 22-Jährige, die gegen Bad Neuenahr erneut zu den besten Spielerinnen auf dem Rasen gehört hatte.
DFB-Präsident und Turbine-Mitglied Theo Zwanziger freute sich ebenfalls. „Ich bin froh, dass ich heute hier bin und mit der Mannschaft die Meisterschaft feiern kann. Sie hat im richtigen Augenblick die ,Big Points’ gemacht. Nun wünsche ich ihr alles Gute für das Champions-League-Finale in Madrid!“