Turbine Potsdam kann am Sonntag gegen Bad Neuenahr den vierten Meistertitel einheimsen
Isabel Kerschowski.
Foto: Jan Kuppert
Zwei Wettbewerbe, zwei Ziele: Die Fußballerinnen des 1. FFC Turbine Potsdam wollen deutscher Meister werden und die Champions League gewinnen. Der nationale Titel soll am besten schon am Sonntag (14 Uhr) mit einem Sieg gegen den SC Bad Neuenahr verteidigt werden – dann wäre das letzte Bundesligaspiel am 9. Mai beim VfL Wolfsburg nur noch von statistischem Wert.
Am 20. Mai möchte sich die Mannschaft von Trainer Bernd Schröder im Madrider Vorort Getafe zur besten Mannschaft Europas krönen lassen. Endspielgegner in der Champions League ist der französische Meister Olympique Lyon, dem am Mittwochabend nach dem 3:2-Hinspielerfolg beim schwedischen Vertreter Umeå IK ein torloses Unentschieden genügte.
„Lyon ist der Kontrahent, der uns theoretisch angenehmer ist, denn die Mannschaft ist sehr spielstark und hat mit Ingvild Stensland eine Top-Fußballerin in ihren Reihen“, erklärte Schröder. „Ich glaube, dass wir gewinnen können, denn wir haben im laufenden Wettbewerb schon stärkere Gegner geschlagen.“
Vor der Reise nach Spanien gilt es jedoch für Turbine, die vierte Meisterschaft einzufahren. „Wir müssen uns konzentrieren und weiterarbeiten. Am Sonntag wollen wir auf jeden Fall den Titel holen. Wenn wir gewinnen, gibt es eine Mega-Party“, sagte Lira Bajramaj, nach dem 6:0-Erfolg gegen den Absteiger Tennis Borussia Berlin. Die 22-jährige Nationalspielerin, die vor der Saison von Duisburg nach Potsdam wechselte, ist besonders heiß auf die Schale. Schließlich war sie mit ihrer einstigen Mannschaft schon viermal Zweite.
Trainer Schröder mahnt indes gegen Bad Neuenahr, wo Europameisterin Okoyino da Mbabi (48 Länderspiele) und die Ex-Potsdamerin Peggy Kuznik kicken, zur Vorsicht. „Die haben eine gute Truppe und können völlig befreit aufspielen. Wir haben Druck.“ Die Ansprüche seien enorm gewachsen. „Im Vorjahr hat niemand den Titel erwartet. Wir wollten im letzten Match gegen Wolfsburg Platz zwei sichern und uns für die Champions League qualifizieren. Dass wir Meister wurden, war Glück und lag auch am Versagen von Bayern München“, erklärte Schröder. „In diesem Jahr erwartet jeder, dass wir Meister werden.“
So auch Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes. Das 64-jährige Turbine-Mitglied reist mit Familie an und hat die Schale im Gepäck. „Die Mannschaft soll mich nicht enttäuschen“, ließ er übermitteln.
Ein Happyend gab es bereits für Isabel Kerschowski. Knapp sieben Monate nach ihrem Kreuzbandriss am 27. September im Spiel gegen den SC Freiburg (5:0) kehrte die 22-Jährige am Mittwochabend auf den Rasen zurück und erzielte zwei Minuten nach ihrer Einwechslung das Tor zum 6:0-Endstand gegen Tennis Borussia. „Ich bin so froh. Nun würde ich auch gern in Madrid spielen“, sagte „Isi“ und umarmte ihre Zwillingsschwester Monique, die sich erst vor vier Wochen das Kreuzband im linken Knie gerissen hatte. „Eigentlich wollten wir Isabel erst gegen Bad Neuenahr bringen. Doch ich hab’ gesehen, wie engagiert sie sich warmgemacht hat und hab’ deshalb spontan entschieden, sie zu bringen“, begründete Schröder seine glückliche Wahl.