Tennis Borussia hat sich in der Bundesliga bemüht, doch es wird nicht zum Klassenerhalt reichen
Franziska Liepack (l.) im Hinspiel im Duell mit Nadine Keßler.
Foto: Jan Kuppert
Am Mittwoch (19 Uhr) empfängt der Tabellenletzte Tennis Borussia Berlin den Bundesliga- Spitzenreiter Turbine Potsdam. Franziska Liepack kennt beide Vereine.
Die Justizhauptwachtmeisterin Franziska Liepack hat es ein wenig eilig. „Ich bin knapp dran, musste länger arbeiten. Jetzt fahre ich von der Turmstraße nach Hause, ziehe mich um und ab geht’s zum Training“, erzählt die 28-Jährige am Telefon. Fünfmal in der Woche treffen sich die Spielerinnen von Tennis Borussia mit ihrem Cheftrainer Thomas Grunenberg auf dem Gelände am Eichkamp, um sich für die Bundesliga fit zu halten. Zum Klassenerhalt wird es dennoch nicht reichen. Der Aufsteiger aus der 2. Bundesliga Nord muss – so kein Wunder mehr geschieht – trotz guten Saisonstarts die Beletage des Frauenfußballs sofort wieder verlassen.
Die Gründe sind vielfältig. „Wir haben teilweise unglücklich und unverdient verloren“, meint Franziska Liepack und bemüht eine alte Fußball-Weisheit: „Wenn man unten steht, kommt Pech hinzu.“ So groß seien die Unterschiede zum 1. FC Saarbrücken und zum SC Freiburg, die ebenfalls gegen den Abstieg kicken, jedenfalls nicht. „Beide Vereine haben dieselben Verhältnisse wie wir“, erklärt die Fußballerin, die einst beim SSV Nonnendorf (Teltow-Fläming) ihre Karriere begann und mit 15 Jahren auf die Potsdamer Sportschule wechselte.
Im Luftschiffhafen gehörte Franziska Liepack alsbald zum Bundesliga-Kader, gewann mit dem 1. FFC Turbine die deutsche Meisterschaft, zweimal den DFB-Pokal und sogar den Uefa-Cup. Als die Konkurrenz innerhalb der Mannschaft immer größer wurde, wechselte sie nach über 100 Bundesligaspielen im Trikot der Potsdamerinnen im Jahr 2005 zum damaligen Zweitligisten Tennis Borussia. Ein Weg, dem mittlerweile zahlreiche Turbine-Fußballerinnen folgten – zum aktuellen Kader der „Veilchen“ gehört ein knappes Dutzend einstiger Potsdamerinnen.
Ein Vergleich mit dem Bundesliga-Spitzenreiter ist da natürlich immer ein Highlight. „Gegen uns strengt sich TeBe immer besonders an“, sagt Potsdams Meistertrainer Bernd Schröder. Bei der 1:3-Niederlage am 8. November im Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion zogen sich die Berlinerinnen auf jeden Fall achtbar aus der Affäre. „Meine Mannschaft wollte sich nicht abschlachten lassen“, betonte Coach Grunenberg. Das gilt natürlich auch für das Duell am Mittwoch. „Ich hoffe, dass es wieder so knapp zugehen wird. Vielleicht ist ja sogar ein Punkt drin. Im Fußball ist alles möglich“, sagt Franziska Liepack. Vieles werde von der Tagesform abhängen, glaubt die Abwehrspielerin. „Wir gehen erst arbeiten und kommen dann zum Spiel“, fügt sie beinahe entschuldigend hinzu.
Kontakt zu ihren einstigen Gefährtinnen vom 1. FFC Turbine gibt es kaum noch. „Leider. Man grüßt und unterhält sich, wenn man sich sieht“, so Franziska Liepack. Die Spielerin mit der Rückennummer 5 will auch im Falle des Abstiegs Tennis Borussia die Treue halten, zumal die Frauenfußball-Abteilung mit den finanziellen Querelen im Männerbereich nichts zu tun hat und folglich alle Absprachen eingehalten werden. „Ich liebe Fußball. Das ist ein Teil meines Lebens.“