Tabea Kemme (r.) im Zweikampf mit der Frankfurterin Kerstin Garefrekes.
Foto: Jan Kuppert
Binnen fünf Minuten brachte der 1. FFC Frankfurt den „Turbinen“ am heutigen Vormittag die erste Niederlage der Bundesliga-Saison 2009/10 bei. Zuvor hatten die Potsdamerinnen nach einer gelb-roten Karte für Nadine Keßler in der 35. Spielminute den Gastgeberinnen aus Frankfurt eine knappe Stunde in Unterzahl getrotzt und waren durch einen sehenswerten Treffer von Fatmire Bajramaj gar in Führung gegangen (55.). Am Ende war es eine bittere, und auch unnötige Niederlage.
Für beide Mannschaften ging es um viel. Die Platzherrinnen vom 1. FFC Frankfurt wollten sich mit einem Sieg den letzten Hauch einer Chance auf die Champions League Teilnahme in der kommenden Saison wahren. Die „Turbinen“ hingegen wollten mit einem Dreier einen entscheidenden Schritt Richtung Titelverteidigung der Meisterschaft gehen. Dementsprechend starteten beide Seiten auch ohne lange Abtastphase engagiert und kampfstark ins Spiel. Nachdem die Gäste aus Potsdam in den ersten Minuten offensiv zwingender waren und sich durch Anja Mittag erste guten Chancen erarbeiteten (5., 7., 10.) fanden auf der Gegenseite die Frankfurterinnen zunächst gegen die stark und kompakt agierender Potsdamer Defensive keine Mittel des Durchkommens. Erwähnenswert lediglich ein erster Schuss von Dszenifer Maroszán aus der zweiten Reihe (9.), der jedoch neben dem Gehäuse landete. Auch Josephine Henning versuchte sich an einem Nachschuss aus der Distanz, der nicht ungefährliche Ball landete jedoch knapp neben dem Tor im Aus (16.). Wenig später kam Anja Mittag bei einer verunglückten Rückgabe von Ally Krieger auf Nadine Angerer zu spät, der Ball landete im Toraus (17.). Auch in Folge wogte das Geschehen hin und her, setzten beide Seiten Offensivakzente. So zirkelte Sara Thunebro einen 22-Meter-Freistoß aufs rechte Dreiangel, den Sarholz per Faustabwehr klärte (22.), auf der anderen Seite endete eine schöne Kombination über Jennifer Zietz und Lira Bajramaj auf Nadine Keßler aufgrund einer Abseitsstellung mit einem Schiedsrichterpfiff (23.).
Nach einer guten halben Stunde kam es dann zu einer das Spiel nicht unerheblich beeinflussenden Situation. Zunächst sah Nadine Keßler für ein Foulspiel an Sandra Smisek die gelbe Karte, nicht einmal 60 Sekunden später zeigte Schiedsrichterin Miriam Dietz der Potsdamerin erneut den gelben Karton, die damit eine knappe Stunde vorzeitig duschen gehen musste. Anlass war Keßlers Torabschluss, nachdem Dietz zuvor die Situation aufgrund einer angeblichen Abseitsposition abgepfiffen hatte. Der Ball kullerte ins Tor und Dietz bewies wenig Fingerspitzengefühl, als sie die 22-Jährige nach dieser Situation des Feldes verwies. Die Potsdamerinnen standen somit bei sommerlichen Temperaturen vor der anspruchsvollen Aufgabe, die verbleibende knappe Stunde Spielzeit in Unterzahl zu bestreiten. Die verbleibenden Minuten bis zum Pausenpfiff brachten beide Seiten ohne größere Aufreger über die Bühne, größter Aufreger war noch eine Hereingabe von Thunebro über links, die gefährlich am Potsdamer Tor vorbeisegelte, ehe Tabea Kemme den Ball schließlich aus der Gefahrenzone klärte (45.).
Nach dem Seitenwechsel hatte Turbine-Trainer Bernd Schröder sein Team umgesellt, fortan spielte Turbine mit einer Spitze (Anja Mittag), Lira Bajramaj wurde ins Mittelfeld zurückgezogen. Die Frankfurterinnen erwischten den besseren Start in die zweite Spielhälfte, setzten die Gäste sofort unter Druck und verbuchten einige gute Offensivaktionen. Die Potsdamerinnen hingegen standen nun weit in ihrer Hälfte, agierten defensiv kompakt und versuchten immer wieder mit Kontern Nadelstiche zu setzen. Mehr oder weniger aus dem Nichts fiel schließlich das erste Tor des Tages – und zwar für die Potsdamerinnen. Anja Mittag schickte Lira Bajramaj mit gutem Auge, die ließ Saskia Bartusiak stehen und zog aus 22 Metern ab. Maßgenau im rechten Dreiangel schlug das Leder durch die Hände von Keeperin Nadine Angerer zur 1:0-Führung für die „Turbinen“ ein (55.). Das Team von Trainer Sven Kahlert schien von dem Gegentreffer zunächst etwas geschockt und schien anschließend etwas aus dem Rhythmus zu kommen.
Doch nach einigen Minuten berappelten sich die Frankfurterinnen und begannen erneut Richtung Potsdamer Tor anzustürmen. Das Schröder-Team jedoch verteidigte clever und vor allem mannschaftlich geschlossen, so dass der Gegner kaum ein Durchkommen fand. Zwangsweise erarbeitete sich Frankfurt jedoch in Überzahl die ein oder andere Möglichkeit, zum Ausgleich zu kommen. So zog Petra Wimbersky aus einem Strafraumgestocher heraus ab, Sarholz erwischte das Leder nur halb, welches anschließend Richtung Torlinie kullerte – Babett Peter kratzte den Ball von der Linie (63.). Auf der Gegenseite hatte Lira Bajramaj das 2:0 auf dem Fuß, lupfte das Leder jedoch aus 18 Metern knapp über Angerers Tor (68.). Es folgten Möglichkeiten auf beiden Seiten, so durch Anja Mittag mit einem ausgebremsten Konterlauf über die rechte Außenbahn (73.), Kerstin Garefrekes mit einem Schuss ans Außenetz (76.) und Sekunden später von links genau in Sarholz‘ Arme (77.) sowie eine Hereingabe von Krieger auf die hereinstürzende Ariane Hingst, vor der jedoch Sarholz am Ball war (78.). Anschließend hatte Mittag das 2:1 auf dem Fuß, als sie von Bajramaj mit einem tollen Pass in die Schnittstelle der Frankfurter Abwehr bedient wurde, im Eins-zu-Eins aber an Angerer scheiterte, die mit einer Großtat und per Fuß zur Ecke klären konnte (79.). Wenige Minuten später wackelte das Gehäuse auf der anderen Seite, als Leni Larsen Kaurin von der linken Seitenlinie den Ball in den Potsdamer Strafraum zirkelte und Birgit Prinz selbigen an die Unterkante der Querlatte setzte, von wo das Streitobjekt zurück ins Feld sprang (83.) – Glück für Potsdam.
Sekunden später jubelten schließlich die zahlreich angereisten Potsdamer Fans, als Fatmire Bajramaj den Ball nach einer flachen Hereingabe von Mittag über rechts das Leder aus Nahdistanz im Tor unterbrachte. Schiedsrichterin Dietz war damit jedoch nicht einverstanden und gab das Tor aufgrund Abseitsstellung nicht. Im Gegenzug und nach den zahlreichen vergebenen Großchancen der Potsdamerinnen wurde es für selbige richtig bitter, als schließlich Ariane Hingst einen Pass in die Spitze von Kerstin Garefrekes ungestört im 16-Meter-Raum annehmen und über die einige Meter vor dem Tor stehende Sarholz ins lange linke Eck heben konnte (86.). Wenig später hatte das Potsdamer Sturmduo Bajramaj-Mittag erneut die Möglichkeit zum 2:1 auf dem Fuß, doch erneut reklamierte das Schiedsrichtergespann eine Abseitsstellung. Den Schlusspunkt einer bis zum Ende spannenden Partie bildete schließlich ein Foulelfmeter für die Gastgeberinnen, nachdem zuvor Viola Odebrecht Petra Wimbersky im Strafraum regelwidrig zu Fall gebracht hatte (90. +1). Birgit Prinz bewies Nerven und brachte das Leder trocken halbhoch links zum 2:1-Endstand zwischen den Pfosten unter, direkt im Anschluss pfiff Dietz die Begegnung ab.
„Ich bin sehr enttäuscht, das war eine unnötige und unverdiente Niederlage“, haderte Turbine-Trainer Bernd Schröder nach dem Abpfiff mit dem Ergebnis. „Wir haben auch in Unterzahl das Geschehen phasenweise bestimmt, ansonsten defensiv geschlossen und stark agiert, gut verschoben. Wir hatten zahlreiche gute Chancen, die wir einfach ungenutzt liegen gelassen haben. Umso ärgerlicher ist es, dass wir uns durch eigene Dummheit selbst geschlagen haben. Diese gelb-rote Karte wurde mit fehlendem Fingerspitzengefühl gegeben und war äußerst ungünstig, da sie dieses Spitzenspiel mit entschieden hat. Zum Zeitpunkt dieser Entscheidung befand sich unserer Meinung nach zudem Nadine Keßler nicht einmal in einer Abseitssituation. Fakt ist jedoch auch, dass wir heute eine Stunde in Unterzahl gespielt haben und dennoch auf dem Platz diesbezüglich kein Unterschied zu sehen war. Jeder, der ein bisschen Ahnung vom Fußball hat, hat klar gesehen, welche Mannschaft den besseren Fußball gespielt hat.“