Turbine-Spielführerin Jalila Dalaf lässt Gegenspieler Philipp Hellwig aussteigen, bedient Lyn Meyer, die zum 1:0 einschiebt. Diese Szene sollte am vergangenen Sonnabend keinen Seltenheitswert haben. Denn die C-Junioren von Blau-Weiß Pessin kassierten gegen die U 17-Mädels von Turbine Potsdam eine 0:6-Niederlage und mussten das spielerische Übergewicht neidlos anerkennen.
So wie die anderen zehn Teams in der Landesklasse Nord/West. Denn auch sie blieben gegen die zwei Jahre älteren Mädchen aus Potsdam ohne Sieg. Zur Halbserie stehen die wilden Mädels ungeschlagen auf Rang eins.
„Vor etwa drei Jahren haben wir uns entschlossen, das Konzept zu verändern und die Mädchen bei den Jungen mitspielen zu lassen“, erklärt Teamkoordinatorin Bettina Stoof. „Es bringt nichts, wenn sich unsere Spielerinnen mit gleichaltrigen Mädchen messen. Zu groß wäre der spielerische Unterschied.“ Seitdem kämpfen die 15- bis 17-jährigen Damen bei den Jungen mit. „Hier werden sie mehr gefordert, hier müssen sie auch mal einstecken“, sagt Stoof, die vor sechs Jahren zu Turbine kam. „Das Duell mit den Jungs bringt mehr für die Entwicklung.“ Das sieht auch Jalila Dalaf so. „Die gegnerischen Spieler behandeln uns wie Jungs“, sagt die 16-Jährige. „Da kann es schon mal härter zu Sache gehen. Doch das ist okay. Nur so entwickeln wir uns weiter.“
Dass das Team in der Liga den Ton angibt, wundert Bettina Stoof nicht unbedingt. „Die Mannschaft trainiert neunmal wöchentlich“, so die ehemalige Nachwuchstrainerin der SG Bornim und der Potsdamer Kickers. „Dadurch funktioniert das Zusammenspiel besser als bei den anderen Teams. Die sehen sich vielleicht zweimal in der Woche.“
Stoof beobachtet auch, dass sich die Gegner trotz der körperlichen Nachteile auf die Potsdamerinnen freuen. „Die Jungs gehen sehr ehrgeizig ins Spiel“, so die 53-Jährige. „Wer will schon gern gegen Mädchen verlieren.“
Das merkt auch Jalila Dalaf. „Die Jungs wollen uns zeigen, dass sie besser sind. Wenn wir dann mal etwas härter spielen, bezeichnen sie uns gleich als Kerle“, so das Mädchen mit der Nummer 10. Von solchen Sprüchen lassen sich die Potsdam

Goalgetterin Lyn Meyer.
Foto: Lothar Benesch
erinnen nicht beirren. Sie ziehen ihr Ding durch. Bislang kannten die Turbine-Talente keine Gnade. Bis auf das 3:3 in Pritzwalk gewann das Team von Trainer Sven Weigang alle Spiele.
Der Coach zeigt sich mit der Entwicklung der Mannschaft zufrieden. „Wir sind froh, dass wir mit einer Sondergenehmigung bei den Jungs mitspielen dürfen und uns somit optimal auf die deutschen Meisterschaften vorbereiten können“, sagt Ex-Torhüter Weigang. Er ist sich sicher, dass einige seiner Talente an die Tür von Frauenchefcoach Bernd Schröder klopfen werden. „Einige von ihnen sind bereits Stammspieler in der 2. Bundesliga.“
Jalila Dalaf will den Sprung in die 1. Liga schaffen. „Dafür gebe ich alles“, sagt sie. Bis dahin will die Sportschülerin mit ihrer Mannschaft die Jungen-Staffel weiter durcheinander wirbeln und die Saison auf Platz eins beenden. „Am liebsten ungeschlagen.“