Neuzugang Nadine Keßler möchte sich beim deutschen Meister Turbine Potsdam für die Nationalmannschaft und die WM 2011 empfehlen
Turbine-Neuzugang Nadine Keßler.
Foto: Jan Kuppert
Nadine Keßler kann nicht verlieren. „Ich bin sehr ehrgeizig. Egal, ob beim Fußball oder beim Kartenspiel, ich will immer gewinnen.“ Und weil die 21-Jährige ein Siegertyp ist, hat sie sich vor Saisonbeginn dem 1. FFC Turbine angeschlossen.
„Ich wollte nach Potsdam, weil ich die Mädels durch die Auswahlmannschaften kenne. Mir imponiert, wie es hier läuft. Es ist eine Herausforderung, sich beim deutschen Meister und in der Champions League zu zeigen. Ich will mich weiterentwickeln“, erklärt die Neu-Potsdamerin, die am Sonntag gegen ihren Ex-Verein 1. FC Saarbrücken (3:0) den ersten Einsatz im Turbine-Trikot bestritt.
Die Karriere von Nadine Keßler lief bereits vor dem Wechsel an die Havel lange wie geschmiert. Der Sprössling einer fußballverrückten Familie – Vater ist Präsident eines Vereins in der Pfalz, Bruder Thorsten Spielertrainer, Schwester Yvonne Fan des 1. FC Kaiserslautern – kickte für sämtliche Nachwuchsmannschaften des Deutschen Fußball-Bundes. Zweimal wurde sie mit der U 19 Europameisterin.
Mit 16 Jahren kam sie nach Saarbrücken, wurde dort 2006 und 2007 Torschützenkönigin der 2. Liga Süd und stieg mit dem Verein in die Bundesliga auf. 2008 erreichte sie das DFB-Pokalfinale in Berlin. Die Partie ging zwar gegen den 1. FFC Frankfurt mit 1:5 verloren, doch Nadine Keßler fiel mit ihrer kreativen Spielweise und ihrer souveränen Art beim Umgang mit den Medien auf.
Nur einen Monat später dann der Schock: In einer Partie gegen den VfL Wolfsburg sprang der damals 20-Jährigen die linke Kniescheibe heraus, es kam zu einer Knorpelabsplitterung. Nadine Keßler musste dreimal operiert werden. Ihre Karriere stand auf der Kippe.
Doch die Fußballerin, die der Sportfördergruppe der Bundeswehr angehört, biss sich durch. „Mittlerweile geht es wieder bergauf“, sagt sie stolz. In der Saisonvorbereitung rief Turbine-Chefcoach Bernd Schröder fünf Wochen lang dreimal täglich zum Training. Für Nadine Keßler eine völlig neue Herausforderung. „Die ersten Tage waren sehr heftig. Größere Intensität, größere Umfänge. Ich hab’ gedacht, wie soll ich das bloß durchhalten.“ Inzwischen hat sie sich an ihr neues Umfeld gewöhnt, belegt mit Josephine Henning, die ebenfalls aus Saarbrücken nach Potsdam gekommen ist, in der Nähe des Ruinenberges im „Turbine-Haus“ eine Wohnung.
Und auch Schröder ist des Lobes voll: „Sie hat das Zeug zur Nationalspielerin. Sie kann ein Spiel lesen, ist sehr torgefährlich und kann auf allen Positionen eingesetzt werden.“ Was noch ein wenig fehle, sei die Schnelligkeit.
Am Tempo wird gearbeitet. „Mein Ziel ist es, mich in Potsdam zu etablieren. Ein Traum wäre die Teilnahme an der WM 2011“, sagt die neue Turbine-Spielerin mit der Rückennummer 23, die am liebsten in der zentralen Position agiert. Die Fans dürfen jedenfalls gespannt sein. Nur Karten sollten sie mit Frau Keßler lieber nicht spielen.