Heleen Jaques soll die neue Abwehrchefin des 1. FFC Turbine Potsdam werden
Heleen Jaques auf dem Trainingsgelände am Olympiastützpunkt Potsdam.
Foto: Nadine Bieneck
Dreimal Training am Tag statt dreimal Training in der Woche: Heleen Jaques war gestern beim „4-2-Spiel“ hoch konzentriert. Der Neuzugang des Frauen-Bundesligisten 1. FFC Turbine Potsdam wollte so wenig Fehler wie möglich bei der Technikübung machen. „Ich will meine Erfahrung einbringen und dem Team weiterhelfen“, sagt die 24 Jahre alte Abwehrspielerin, die zuletzt wegen einer Knieverletzung die Einheiten mit der Mannschaft nicht mitmachen konnte.
„Die Trainingsumstellung war doch zu spüren. Ich dachte, ich wäre gut vorbereitet zu Turbine gekommen. Die Frage ist aber, ob das überhaupt geht.“ Denn für Jaques, die perfekt Deutsch spricht, heißt es nun: Dreimal Training am Tag statt dreimal Training in der Woche.
Am Freitagmorgen war die Lehrerin für Sport und Biologie fast schmerzfrei auf dem Rasenplatz im Luftschiffhafen am Ball. Ob die Spielführerin der belgischen Nationalmannschaft bei den Testspielen am Samstag in Sonneberg gegen den SC 06 Oberlind und am Sonntag gegen die A-Junioren von RB Leipzig (je 14 Uhr) mitwirken kann, war noch unklar. Nur wenn die Verletzung zu hundert Prozent auskuriert ist, will der Neuzugang das Debüt im Turbine-Trikot wagen. Denn auf Jaques wartet eine der wohl wichtigsten Aufgaben beim deutschen Meister. Die Belgierin soll die neue Abwehrchefin des Champions-League-Siegers von 2010 werden. „Der Druck ist da. Natürlich“, erklärt sie. „Deshalb bin ich mit meinem Körper in den ersten Trainingswochen auch über die Grenzen gegangen.“ Jetzt wisse sie, dass erst die Fitness stimmen muss. „Dann kann ich mir Druck machen.“
Mit dem Wechsel zum Topteam Deutschlands sei für Jaques ein Traum in Erfüllung gegangen. „Ich wollte es erst gar nicht glauben, als mich Trainer Bernd Schröder anrief und sagte, dass ich nach Potsdam kommen könnte“, erinnert sich die 1,76 Meter große Verteidigerin an das erste Telefonat. „Er sagte, dass sie mich haben wollen. Ich soll aber nicht vergessen, dass es ein Leidensweg wird.“ Für Jaques kein Problem. „Ich trainiere sowieso gern“, sagt sie. Der Verein bot der leidenschaftlichen Radfahrerin einen Zwei-Jahres-Vertrag an. „Ich habe aber nur bis 2013 unterschrieben, weil ich sehen möchte, ob ich Turbine überhaupt helfen kann. Wenn Potsdam nichts an mir hat, muss ich hier auch nicht festsitzen.“
Doch Musikfan Jaques ist bis in die Haarspitzen motiviert. „Ich will es schaffen. Und glaube, dass ich es schaffe.“ Davon ist Trainer Schröder überzeugt. „Heleen ist eine gestandene Spielerin, die über viel internationale Erfahrung verfügt“, so Schröder. „Sie ist schnell und groß. Heleen ist flexibel in ihrer Spielweise und kann sich unserem System daher ohne Probleme anpassen.“
Die kopfballstarke Spielerin, die zuletzt beim belgischen Verein VV St. Truiden und auch beim Nationalteam auf der Außenverteidigerposition aufgestellt wurde, muss sich nun schnell in der Dreier-Abwehrkette einspielen. Auf der zentralen Position wohl neben dem US-Girl Alexandra Singer und Tabea Kemme, die ab der neuen Saison Jennifer Zietz (Kreuzband-Operation) als Kapitänin vertritt. „Wir haben schon kurz im taktischen Bereich gearbeitet. Es wird nicht leicht. Das viele Laufen, die vielen Sprints kosten Kraft“, so Jaques, die durch ihren Vater Erik und Bruder Jonas im Alter von sechs Jahren bei Lichtervelde mit dem Sport begann und von 2010 bis 2011 beim Herforder SV Bundesliga-Luft schnupperte. Sie nimmt die Herausforderung Turbine Potsdam an. Gewinn der Champions League, deutsche Meisterschaft, Pokalsieg – der Fan von Vincent Kompany (Manchester City) greift nach Titeln. Am liebsten wäre sie mit der Trikotnummer vier aufgelaufen. „Vor sieben Jahren wurde mir der Meniskus genäht“, erzählt die belgische Meisterin von 2010. „Bei der Reha hatte Therapeut Vincent Callewaert ein vierblättriges Kleeblatt gefunden und es mir geschenkt.“ Da diese Nummer von Ex-Abwehrchefin Babett Peter (jetzt FFC Frankfurt) aber an Johanna Elsig vergeben ist, bekommt Jaques die 26. „Sechs minus zwei ist vier“, schmunzelt die 31-fache Nationalspielerin.