Anna-Felicitas Sarholz sieht nicht aus, als sei ihr bange vor den nächsten rund zwölf Kilometern. Die Torhüterin von Bundesliga-Meister Turbine Potsdam steht auf dem Steg vorm Neuruppiner Seehotel Fontane. Sie trägt als Einzige der Wandergruppe, die sich zur Fahrt nach Stendenitz im Schiff versammelt hat, eine kurze Hose. Ein gelber Plastikumhang schützt gegen den Regen, der in Kübeln auf Mitarbeiter von Antenne Brandenburg und ihre wanderlustigen Hörer herabschüttet.
„Ich glaube, das Training von Herrn Schröder ist härter“, sagt die Leistungssportlerin und vergleicht die bis zu drei Übungseinheiten, die sie bei ihrem Trainer Bernd Schröder täglich absolvieren muss, mit dem Wandertag. Die vom RBB organisierte Wanderung stimmt auf den Deutschen Wandertag ein. Er ist dieses Jahr in Brandenburg und beginnt heute mit vielen Veranstaltungen im Fläming, der Gastgeberregion.
Nachdem Sarholz und die anderen in Stendenitz wieder aus dem Schiff gestiegen sind, wandern sie den Teetzensee entlang bis Molchow und weiter zur Schleuse Alt Ruppin und die Uferpromenade zurück nach Neuruppin.
Man muss keine Bundesligaspielerin sein, um mit Zuversicht die verregneten Pfade zu betreten. „Das ist ein Vorwandern für uns“, sagt Dagmar Dossman. Mit anderen Mitgliedern vom MSV Neuruppin trifft sie sich wöchentlich zum Wandern. Seit 19 Jahren fröhne sie diesem Hobby. Und beim Auftakt zum Deutschen Wandertag in Bad Belzig wird sie heute auch dabei sein. Bei der gestrigen Schnupperwanderung spaziert Dossmann als eine der Ersten der rund 20 Wanderer aus dem Wald und am Molchower Ortsschild vorbei.
Einer der wenigen, der noch flotter zu Fuß ist, geht in der RBB-Sendung „Brandenburg Aktuell“ dem eigentümlichen Beruf des Wetterfrosches nach. Ebenfalls in einen regenfesten Umhang gehüllt,
hält Attila Weidemann sein Mikrofon, während er in großen Schritten schreitet, fest in den Händen – wie ein Sprinter seinen Staffelstab.
Ähnlich zufrieden wie der Wettermoderator blickt Anna-Felicitas Sarholz unter ihrer Kapuze hervor. Die Freude gilt der entspannten Tour und „den schönen Ecken hier“. Sie freut sich, ein weiteres Stückchen Brandenburg kennengelernt zu haben. Eines, das „bergiger als in Potsdam“ ist.
„Jetzt kann ich wieder einen Haken auf meiner To-do-Liste machen“, sagt sie. Stellt sich die Frage, was eine junge Torhüterin alles mal gemacht haben will – was kommt also als Nächstes? „Vielleicht Bungee-Springen“, sagt Sarholz.